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Bildnachweis: © Heimat- und Verschönerungsverein Seidewitz 01 e.V. / v.i.S.d.P.: Tom Zeretzke
Stand: 19. Februar 2017
Heimat- und Verschönerungsverein Seidewitz 01 e.V.
Mit der Kirche ums Dorf Sie ist längst aus dem Ortsbild unseres Dorfes verschwunden: die Seidewitzer Dorfkirche. Zwei Jahrhunderte war sie jedoch Mittelpunkt unseres kleinen Ortes und prägte maßgeblich das Leben seiner Einwohner. Heute erinnert nur noch der Glockenstuhl sowie das regelmäßige Leuten der Glocke an die frühere Existenz des Seidewitzer Gotteshauses. Die Seidewitzer Kirche wurde 1774 für einen Betrag von 839 Thaler, acht Groschen und einem Pfennig neu erbaut. Doch bereits kurze Zeit später wurde sie wieder umgebaut, da man sie viel zu niedrig gehalten hatte, so „daß die Manns Persohnen auf der Empor Kirche oben an der Decke anstießen“, wie es einer alten textlichen Überlieferung zu entnehmen ist. Die Kirche selbst umgab ein ummauerter Friedhof. 1823 wurde sie mit einer neuen Orgel versehen und in den Jahren 1830 und 1843 wurde sie am Dach repariert. Seidewitz besaß bereits im Mittelalter eine Kirche und war seit den ältesten Zeiten eine Filiale von Casekirchen gewesen, jedoch auch stets ein Streitpunkt zwischen den Pfarreien Casekirchen und Aue, der erst 1807 beigelegt werden konnte. Diese Situation führte dazu, dass der Pfarrer aus Aue die Gottesdienste in Seidewitz übernahm, während die Aufsicht über die Kirche: also unter anderem die bauliche Erhaltung oder das Ausstellen von Ehezeugnissen dem Pfarramt in Casekirchen oblag. Auch der Konfirmandenunterricht erfuhr in jener Zeit diese Zweiteilung – bis zu einem gewissen Datum fand dieser in Casekirchen statt, wechselte dann kurz vor Ostern nach Aue, wo dann auch die Konfirmation der Seidewitzer erfolgte. Die lnnenausstattung der Kirche bot nur wenig Erwähnenswertes. Der schmucklose Kanzelaltar mit seitlichen Pforten und die Hufeisenempore gehörten noch der Bauzeit von 1774 an. Bemerkenswert war allerdings die zinnerne Taufschale von 1578 mit drei dekorativen Ornamenten. In den Folgejahren fanden zwar in unregelmäßigen Abständen, dafür aber immer wieder einige Renovierungs- und Ausbesserungsarbeiten in und an der Kirche statt. 1826 wurde etwa die Kirchhofsmauer neu errichtet und 1852 der Gottesacker geebnet und hübsch hergerichtet sowie mit einem Eisentor versehen. 1859 erhielt die Kirche zudem eine neue Glocken, da diese Monate zuvor beim Läuten zersprungen waren. Nach der Jahrhundertwende erhielt das Kircheninnere einen komplett neuen Anstrich. lm Juli 1935 schenkte Frau Laura Kunze aus Seidewitz der Kirche eine sehr wertvolle neue Altarbekleidung, Dazu wurde vom Gutsbesitzer Wilhelm Becker ein neues und sehr schön geschnitztes Kruzifix gestiftet. In den 60er und 70er Jahren zeichnet sich allerdings die Baufälligkeit der Kirche mehr und mehr ab – Jahrzehnte lang wurde nichts mehr investiert. In der Kirchgemeinde werden die vielen Mängel und nötigen Arbeiten aufgelistet: „Die Gemeinde ist zu diesem Zeitpunkt sehr finanzschwach. Der Förderkreis wurde dermaßen unergiebig, daß er nach Bezahlung der letzten Rechnungen eingestellt wurde. Hier wurde der Kirchhof von Gebüsch und Grabsteinen geräumt, eine neue (schon wieder schlechte Tür) beschafft, die Fenster gestrichen, ein Mauerschaden am Giebel repariert. Hier wäre für die Gemeindearbeit eine zusätzliche elektrische Heizung für die Bänke der Ofenseite wichtig. lm Zusammenhang mit anderen Pflasterarbeiten könnte hier der Mittelgang erneuert werden. Vielleicht empfiehlt sich auch eine Erhöhung des Pflasters im Altarraum, damit der Altar etwas an Höhe verliert. Für die Herunterstimmung der Orgel, die für den Gemeindegesang wichtig wäre, gibt es vielleicht einen landeskirchlichen Zuschuß.“ Zu all dem sollte es allerdings nicht mehr kommen – im Frühjahr 1976 wurde die Kirche schließlich wegen Baufälligkeit abgerissen. Erst im Jahr 1998 begann man an ihrer Stelle mit dem Bau eines Glockenstuhls, der am 4. April feierlich eingeweiht werden konnte. Nach Abriss der Kirche wurde nämlich die Seidewitzer Glocke nach Casekirchen verbracht, um als Stundenschlag der dortigen Kirchturmuhr genutzt zu werden. Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms in den 90er Jahren und einer großzügigen Spende Eckard Beckers konnte die Finanzierung und der Bau des neuen Seidewitzer Glockenhäuschens erfolgen. An jenem Frühjahrstag des Jahres 1998 hielt also die alte Seidewitzer Glocke wieder Einzug in ihr einstiges Heimatdorf. Seitdem finden wieder regelmäßig „Gottesdienste im Freien“ auf dem alten Kirchplatz statt. Sie haben auch Heimatgeschichten oder Bilder aus früheren Zeiten? Dann nehmen Sie an unserem Projekt teil und senden uns Ihr Material zu:  redaktion@dorf-seidewitz.de! 
Karin Friedel; Tom Zeretzke
Bilder und Erzählungen aus alten Zeiten...
HEIMATGESCHICHTEN