Samstag, 8. Oktober 2011, gegen 22.30 Uhr im Saal
des Dorfgemeinschaftshauses. Sie haben die Augen
geschlossen und sollen nun nur aufgrund des
Lautstärkepegels und der
Innentemperatur die
Teilnehmerzahl dieser
Tanzveranstaltung schätzen. Es
ist wahnsinnig laut, Sie hören
das rhythmische Getrappel auf
der Tanzfläche, zwischen den
Liedern tosenden Applaus und
Sie kommen sich vor wie in
einer Sauna. Schnell legen Sie
sich daher auf die Zahl "um die
100" fest.
Falsch, zweiter Versuch! Sie
lauschen dem Treiben noch
einmal genauer. Gerade macht die Band eine kleine
Verschnaufpause, doch von Ruhe kann keine Rede
sein, denn soeben schmettern die Gäste das
"Hütchenlied" unter ohrenbetäubendem Gebrüll,
johlendem Gelächter und heftigem Klatschen. Sie
verstehen beinah Ihr eigenes Wort nicht mehr - "Das
müssen doch mindestens 150 Leute sein, so laut wie
das gerade ist", denken Sie. Daneben! Einen letzten
Versuch haben Sie noch. Na gut, etwas zögerlich aber
dennoch bestimmt legen Sie sich auf 176 Personen fest
- und dürfen endlich die Augen öffnen.
Die Überraschung ist Ihnen sofort anzusehen, etwas
ungläubig schauen Sie sich um: der Saal ist ja halb
leer, drei, vier Tischreihen sind komplett unbesetzt.
Die können doch unmöglich alle draußen rauchen sein
- sind sie auch nicht. Ganze 51 (in Worten:
einundfünfzig!) Mitglieder und Freunde des
Heimatvereins haben sich an jenem Samstag zur
zweiten Festveranstaltung aufgemacht, um bei
musikalisch bester Unterhaltung mit den "Saale-Holz-
Köppen" bis in die tiefe und kalte Nacht hinein ohne
Unterbrechung eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen.
Und danach sah es zu Beginn gar nicht aus. Denn
zugegeben, wir Seidewitzer waren schon ziemlich
enttäuscht, dass der Einladung zum Tanz nur so
wenige Gäste aus den Nachbarorten
gefolgt waren. Und auch die "Holz-
Köppe" schauten sich verwundert
um, sie rechneten wohl ebenso mit
wesentlich mehr Leuten. "Das kann
ja heiter werden", lautete das
voreilige Fazit - erst recht, als zu
befürchten galt, dass der
Imbisswagen aufgrund "geringer
Auslastung" (und Sonntagsarbeit!)
am nächsten Vormittag zum
Frühschoppen nicht nochmal
kommen wollte. Die Stimmung
schien einen Tiefpunkt markiert zu
haben. Doch das diplomatische
Geschick des Vorsitzenden hat uns die Peinlichkeit
bezüglich der Verpflegung (die ja bereits in der Woche
zuvor für reichlich Stress und Kopfzerbrechen sorgte)
zum Glück erspart.
Und aus der etwas ungünstigen Situation bezüglich der
Gästezahl, die weit unter unseren Erwartungen lag,
haben wir definitiv das Beste gemacht: Steffi Vogel
kribbelte es nämlich schon während der ersten Takte -
jede einzelne Fliese der Tanzfläche war noch sichtbar
- so heftig in den Beinen, dass sie beschloss, der
Eröffnungstanz müsse die Kehrtwende herbeiführen.
Und wie sie es schaffte: Kurzentschlossen schnappte
sie sich Tom Zeretzke, einen Angestellten der
Abendkasse und Wechselstube der Seidewitzer
Vereinsbank, und beide schwoften den ersten Discofox
des Abends mit allem, was dazu gehört: Drehungen,
Hüftumschüngen und Salti in der Luft mit dreifachem
Überschlag. Das schuf Eindruck und ruckzuck war die
Tanzfläche gefüllt - und sie blieb es auch.
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Lesen Sie demnächst im dritten Teil: “Seidewitzdollar kurbelt örtliche Wirtschaft an”
Fortsetzung von Seite 1:
Dass bis zum Ende der Tanzveranstaltung gegen 1.30
Uhr des nächsten Tages vor lauter Tanzwütigen kaum
noch eine Fliese auf der Tanzfläche auszumachen war,
lag auch am vielfältigen und einfach nur exzellenten
musikalischen Programm der Saale-Holz-Köppe. Selten
hat eine Liveband (sonst gab es ja immer nur Musik
aus der Konserve!) nicht nur hervorragend gespielt
und gesungen, sondern auch noch so viel Spaß und
gute Stimmung verbreitet, wie an jenem Samstag.
Lieber Tino Fuchs, lieber Hagen Werner (die Namen
hinter den "Köppen"), ihr habt den Saal zum Kochen
gebracht und uns die Schmach ob der nur
überschaubaren Gästeschar schnell vergessen lassen.
Ihr selbst seid am Ende wohl überrascht gewesen,
wozu wir Seidewitzer stimmungsmäßig - mit
tatkräftiger Unterstützung eurerseits - in der Lage
sind. Ganz eindeutig seid ihr damit unsere "Helden des
Jahres" und wir freuen uns schon sehr auf euer
nächstes Kommen - spätestens zum 15. Geburtstag
unseres Heimatvereins (dann mit mindestens 52
Gästen)!
Ein anderer Held bedarf hier noch einer besonderen
Erwähnung: Exil-Seidewitzer Dietmar Straube
("Quoten-Diddi"), war an besagtem Samstag der
einzige Casekirchner weit und breit, der uns die Treue
hielt. Und nicht nur das, er ließ es sich außerdem
nicht nehmen, an allen drei Festtagen sein früheres
Heimatdorf zu besuchen. Auch du bist damit ein "Held
des Jahres" und der Vorstand sollte deshalb deine
Aufnahme als Ehrenmitglied in den Heimatverein
unverzüglich in Erwägung ziehen!
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